Warum Excel für die Lieferkettenplanung und S&OP nicht mehr ausreicht

Willem Van de Velde
05.06.2026 00:09:13

Seit Jahren ist Excel das Rückgrat der Lieferkettenplanung und des S&OP. Flexibel, vertraut und in jedem Unternehmen verfügbar. Wenn Planer schnell auf sich ändernde Prognosen, Lieferengpässe, Werbeaktionen oder operative Ausnahmen reagieren müssen, sind Tabellenkalkulationen oft die naheliegendste Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen.

Und um fair zu sein: Excel löst immer noch viele Probleme.

Die Herausforderung ist, dass mit dem Unternehmenswachstum die Planungskomplexität noch schneller steigt.
Mehr Produkte. Mehr Restriktionen. Mehr Anspruchsgruppen. Mehr Druck, Lieferkette, Operations, Vertrieb und Finanzen hinter denselben Entscheidungen zu vereinen.

Genau an diesem Punkt stossen Tabellen an ihre Grenzen – nicht, weil Excel plötzlich nicht mehr funktioniert, sondern weil das Unternehmen ein Reifegradniveau in der Planung einfordert, für das Tabellenkalkulationen nie ausgelegt waren.

Warum Unternehmen für die Planung weiterhin Excel nutzen

Excel ist im gesamten Unternehmen bereits vorhanden. Es braucht kein Implementierungsprojekt, keine Abhängigkeit von der IT und keine Wartezeit, bis Planer eine eigene Logik rund um die operative Realität aufbauen können. Diese Flexibilität ist entscheidend, insbesondere in Branchen mit Aktionen, Saisonalität, Haltbarkeitsfristen, schwankender Versorgung oder kundenspezifischen Ausnahmen. Planer schätzen die Möglichkeit, Annahmen schnell zu überschreiben, Angebot und Nachfrage neu auszubalancieren, Mengen anzupassen und unter Druck reagieren zu können.

Excel schliesst ausserdem eine wichtige Lücke, die viele ERP-Systeme offenlassen. 
ERP-Systeme sind für Ausführung und Transaktionen konzipiert. Planung bedeutet hingegen, Abwägungen zu bewerten, Szenarien zu vergleichen und Funktionen unter Unsicherheit aufeinander auszurichten.

Deshalb werden Tabellenkalkulationen oft zur inoffiziellen Planungsschicht oberhalb der ERP-Landschaft.
Und zeitweise funktioniert das auch.

Wo Excel an seine Grenzen kommt

Excel funktioniert zuverlässig, bis die Planungskomplexität das übersteigt, was Tabellenkalkulationen realistisch noch leisten können. Wenn Unternehmen wachsen, werden Supply Chains stärker vernetzt, restriktiver und volatiler. Die Komplexität in der Planung nimmt schneller zu als die Steuerung und Governance rund um die Tabellen.

Genau dann werden die Grenzen sichtbar.

Wenn Szenarioplanung zu langsam wird

Planung hängt heute immer stärker davon ab, laufend Alternativen zu bewerten. In Excel bedeutet das Management mehrerer Szenarien oft: Dateien duplizieren, Annahmen manuell verändern und die Ergebnisse anschliessend konsolidieren. Dieser Prozess wird rasch arbeitsintensiv.

In der Praxis ist es häufig so, dass nur noch ein Planer wirklich versteht, wie die gesamte Szenariologik zusammenspielt. Das Resultat sind langsamere Entscheidungen, eine stärkere Abhängigkeit von einzelnen Planern und eine zunehmend reaktive Planung.
Und oft hat sich die zugrunde liegende geschäftliche Fragestellung bereits verändert, bevor das zweite oder dritte Szenario überhaupt fertig ist.

Excel ist nicht für komplexe Planungsaufgaben ausgelegt

Die meisten Spreadsheet-Modelle funktionieren im kleinen Massstab durchaus ordentlich. Aber Supply Chains bleiben selten einfach: SKU-Portfolios wachsen, Netzwerke werden globaler, Restriktionen verschärfen sich, Aktionen nehmen zu und der finanzielle Druck steigt.

Plötzlich managen Planer nicht mehr isolierte Zahlen, sondern Abhängigkeiten quer über Nachfrage, Versorgung, Bestände, Produktion, Beschaffung, Haltbarkeit und finanzielle Zielgrössen. An diesem Punkt werden Tabellenkalkulationen zunehmend fragil.

In vielen Organisationen zerfasert sich die Planungslogik:

  • separate Dateien je Werk
  • eigene Annahmen je Kategorie
  • eigene Versionen je Planungslauf

Lokal mag jeder Plan machbar erscheinen. Global hat jedoch niemand mehr das vollständige Bild.

Lokale Optimierung garantiert keine Machbarkeit auf Netzwerkebene.

Versionenchaos als Bremsklotz für Entscheidungen

Die meisten Planungsorganisationen erkennen diese Situation sofort wieder:

„Kann mir jemand die aktuellste Version schicken?“

Mehrere Tabellenkalkulationen zirkulieren gleichzeitig zwischen Lieferkette, Finanzen, Vertrieb und Operations. Unterschiedliche Teams arbeiten mit unterschiedlichen Annahmen. Niemand ist sich mehr wirklich sicher, welche Zahlen noch stimmen. In der Folge verkommen Abstimmungsrunden zunehmend zu reinen Abgleich-Übungen, statt echte Entscheidungsmeetings zu sein.

Das Problem ist nicht, dass Excel nicht rechnen kann. Das Problem ist, dass Tabellenkalkulationen Mühe haben, über Funktionen hinweg eine gemeinsame operative Realität abzubilden.

Das verborgene Risiko: Abhängigkeit vom Planer

Viele Planungsumgebungen stützen sich stark auf individuell entwickelte Tabellen, die über Jahre gewachsen sind. Irgendwann steckt kritisches Planungswissen in genau einer Tabelle, die von genau einer Person gepflegt wird. Das führt zu einem erheblichen organisatorischen Engpass.

Wenn diese Person ausfällt oder das Unternehmen verlässt, wird der gesamte Planungsprozess verwundbar. Was sich anfangs flexibel anfühlte, wird nach und nach schwer zu warten, schwer zu verbessern und schwer zu skalieren.

Abschliessender Gedanke

Excel ist nach wie vor ein äusserst leistungsstarkes Tool zur Steigerung der persönlichen Produktivität. Tabellenkalkulationen wurden jedoch nie dafür konzipiert, komplexe Planungsprozesse in wachsenden Unternehmen zu unterstützen, die unter ständiger Volatilität operieren.

Mit zunehmendem Unternehmenswachstum wird es immer schwieriger, Tabellenkalkulationen zu verwalten, abzustimmen, zu pflegen und zu skalieren. Die Frage ist nicht, ob Excel funktioniert. Die Frage ist, ob es noch den Planungsreifegrad unterstützt, den das Unternehmen benötigt.

Mit zunehmender Komplexität der Planung werden manuelle Prozesse und fragmentierte Planungslogik immer mehr zu Engpässen.

Die Reifegradfalle in der Planung: Wenn Excel das Wachstum ausbremst


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